2. Netzwerktagung

Nachdem sich die erste „Netzwerktagung Medienkompetenz Sachsen-Anhalt“ mit der schulischen Medienkompetenzvermittlung beschäftig hat, lautet das Thema der diesjährigen Tagung „medien gesellschaft verantwortung“. Die Förderung von Medienkompetenz ist eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe – sie ist medien-, zielgruppen- und akteursübergreifend als lebenslanger Lernprozess zu verstehen. Medienkompetenz betrifft dabei die verschiedensten Zielgruppen und Medienformen. Dieser Tatsache will die zweite Netzwerktagung Medienkompetenz Sachsen-Anhalt Rechnung tragen und sich mit der Medienkompetenzvermittlung in der Breite beschäftigen.

Im Rahmen der zweiten Netzwerktagung Medienkompetenz sollen die Tagungsteilnehmer/‑innen die Gelegenheit erhalten:

  • sich zu o.g. Thema fachlich weiterzubilden und auszutauschen.
  • neue Impulse und Anregungen für die eigene (medienpädagogische) Arbeit und das eigene Medienhandeln zu bekommen.  
  • neue Kontakte zu knüpfen und ggf. neue Kooperationen einzugehen bzw. bestehende Kontakte/Kooperationen zu intensivieren.  
  • sich in aktuelle landesbezogene medienpädagogische Debatten einzubringen bzw. diese kennenzulernen.  
  • die bildungspolitischen Entwicklungen seit der letzten Netzwerktagung kennenzulernen.  
  • konkrete Impulse für weitere Aktivitäten in der Medienbildungslandschaft Sachsen-Anhalt und die weitere Arbeit des Netzwerkes Medienkompetenz Sachsen-Anhalt zu formulieren.

Die zweite Netzwerktagung, die am 25./26. September 2013 in Halle (Saale) stattfindet, richtet sich an medienpädagogisch Aktive und Interessierte in Sachsen-Anhalt, an Vertreter/-innen der Politik, Medienwirtschaft und Medienwissenschaft, an Studierende, an Fachkräfte der außerschulischen Jugend- sowie Erwachsenenbildung sowie an Multiplikatoren/-innen und Medienschaffende. Ausdrücklich eingeladen sind auch all jene Berufsgruppen, deren Tätigkeitsfeld zunehmend von medienpädagogischen Fragestellungen tangiert wird (bspw. Suchtberater/-innen, Polizeibeamte/-innen etc.).

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei allen Partnern, Teilnehmenden, Referentinnen und Referenten für die vielen hochwertigen Impulse und Ideen, welche am 19. und 20. September in Halle (Saale) auf den Weg gebracht wurden, bedanken.

Dokumentation

Hier können Sie die Dokumentation als PDF herunterladen: Dokumentation 1. Netzwerktagung

Die Tagung wird von der Medienanstalt Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Frühe Bildung der Hochschule Magdeburg-Stendal und dem Netzwerk Medienkompetenz Sachsen-Anhalt organisiert. Partner ist die Hochschule Merseburg-Querfurt. Alle Informationen rund um die Tagung erhalten Sie künftig auf der Netzwerkseite sowie auf dem Facebook-Channel der Netzwerktagung.

Video-Dokumentation

Trailer

Die Dokumentation zur 2. Netzwerktagung Medienkompetenz Sachsen-Anhalt, die Ergebnisprotokolle aller Panels und Podiumsdiskussionen sowie Videostatements ausgewählter Referenten/-innen können Sie ab sofort hier einsehen. 

Panel 1: Neue Medien für „Alte Hasen“ – Apathie oder Euphorie?

Leitfragen:

  1. Wie gestaltet sich das Mediennutzungsverhalten von älteren Menschen?
  2. Wie ist das Verhältnis von älteren Menschen und neuen Medien? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen hierzu vor?
  3. Welche Bedeutung kommt Medien im Alter zu? Welche Vorstellungen, Interessen und Bedürfnisse moderieren die Medienzugänge von älteren Menschen?
  4. Was muss getan werden, dass Ältere sich aktiv in die Mediengesellschaft einbringen (können)?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Prof. Dr. em. Bernd Schorb (Universität Leipzig)Diskutierende:  Annette Kümmel (ProSiebenSAT.1 Media AG), Georg Maas (MDR, Hauptabteilung Telemedien), Oliver Zweinig (kultur & medien 21), Dr. Gisela Heinzelmann (Seniorenkolleg Universität Halle-Wittenberg), Dr. Wolfgang Dietzsch (Seniorenredaktion Offener Kanal Merseburg-Querfurt e.V.)Moderation: Oliver Stanislowski (Offener Kanal Merseburg-Querfurt e.V.)

Im Eingangsvortrag „Alter(n) in mediatisierten Lebenswelten“ ging Prof. Dr. Bernd Schorb sowohl auf die in der Gesellschaft vorhandenen  Altersbilder ein als auch auf die Mediennutzung von Senioren/-innen. Ältere Menschen werden ambivalent betrachtet: Einerseits sind sie ver­lässliche Mediennutzer/-innen (v.a. der Massenmedien), andererseits wird ihnen eine Skepsis gegenüber neuen Medien attestiert. Das Fernsehen ist für ältere Menschen nach wie vor das Leitmedium; das Radio ein wichtiger morgendlicher Begleiter und die Tageszeitung ein regiona­ler Bewegungsmelder. Der Stellenwert von Computern und Internet nimmt bei Älteren allmäh­lich zu. Allgemein betrachtet korrespondiert die Mediennutzung eng mit der eigenen Biografie und den daraus entwickelten Gewohnheiten. Ausschlaggebend für die Nutzung neuer Medien durch Ältere sind der praktische Nutzen und der subjektive Mehrwert (bspw. Erinnerungsarbeit durch elektronische Archivierung von Fotos). Die Nutzung von Computer und Internet setzt laut Schorb aber auch ein hohes Maß an Interesse voraus. Die Aufgaben, die Medien für Ältere heute haben, sind vielfältig: Strukturierung und Teilhabe am Alltag, Unterhaltung, Entspannung, Kompensation und Erinnerungsarbeit. Skepsis und Ängste (z.B. vor kommunikativer Verarmung) führen laut Schorb zur Nichtnutzung neuer Medien. Des Weiteren nennt er gesundheitliche Einschränkungen oder mangelnde Fertigkeiten im Umgang mit technischen Geräten. Schorb fordert,  Älteren als erfahrenen und kritischen Subjekten zu  begegnen, ihnen einen aktiven Part in medienpädagogischen Projekten zu geben, so dass sie neue, eigene Formen des Medien­handels entwickeln können, um ihren Weg zu mehr Medienkompetenz zu finden.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die Medienpädagogik:

  1. Die Nachfrage nach  Medienkursen für Ältere ist hoch. Ältere sind interessiert, bildungs­willig, aber sie brauchen – v.a. am Anfang – Hilfe im Umgang mit neuen Medien. Hier sind entsprechende Konzepte gefragt (s.o.).
  2. Generationsübergreifende Projekte machen nur Sinn, wenn beide Generationen eine aktive Rolle haben und sich aktiv einbringen können.
  3. Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, die Computer & Internet bieten, hängt vom persönlichen Eigennutz ab. Während Kommunikationen via Mail im Alltag von Senioren/-innen angekommen sind, werden andere Formen, wie bspw. Videotelefonie, nur dann genutzt, wenn sie unbedingt notwendig und/oder ihre Vorteile erkennbar sind.
  4. Ältere brauchen Orientierungswissen, um sich in der modernen Medienwelt zurecht zu finden und Berührungsängste abbauen zu können: Was heißt „bei facebook sein“ oder „twittern“, „was ist der Unterschied zwischen E-Book und Tablett“? 
  5. Der (Medien-)Markt hat die „Best Ager“ als (kaufstarke) Zielgruppe erkannt und ent­wickelt ausgehend von ihren Interessen entsprechende Angebote. Sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Sendergruppen versuchen Ältere durch begleitende – auch interaktive – Online-Veröffentlichungen einzubinden und an sich zu binden. Senioren/     -innen werden hier als aktive Internetnutzer/-innen wahrgenommen.

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Videostatements

Panel 2: Medienbildung als Perspektive für Inklusion

Leitfragen:

  1. Was ist „inklusive Medienbildung“? Welchem Leitgedanken folgt sie? Und welche Ziele hat sie?
  2. Welche Chancen bieten inklusive Medienprojekte den Teilnehmenden? Welche Herausforderungen sind damit bei der Projektplanung und -umsetzung verbunden?
  3. Welche Technologien können bei unterschiedlichen Behinderungen behilflich sein?
  4. Welche innovativen Praxismodelle existieren bereits für eine gelungene medienpädagogische Arbeit mit Menschen mit/ohne Behinderung?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Dr. Ingo Bosse (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Diskutierende: Katja Wolf (Medienanstalt Sachsen-Anhalt), Dr. Roswitha Sommerfeld (Förderschule für Geistigbehinderte „Astrid Lindgren“) , Caroline Wosch (Projekt „Mit Hindernissen durch die Händelstadt)
Moderation: Ralf Schneeberger (Doku-TV/WTV – Der Offene Kanal aus Wettin e.V.)

Seinen Impulsvortrag eröffnete Dr. Ingo Bosse mit einem barrierefreien Film der „Aktion Mensch“, dieser wird aufgrund von Untertiteln für Taube, Sprache für Blinde, sowie durch seine Einfachheit von allen Menschen verstanden und bildet somit den Begriff „Inklusion“ sehr gut ab. Inklusion findet, laut Bosse, mittlerweile auch in der Medienpädagogik einen Platz. Menschen mit Handicap nutzen Medien genauso wie Menschen ohne Handicap. Ein Rollstuhlfahrer bspw. nutzt vor allem das Internet, da er so einfacher mit Menschen in Kontakt treten kann. Daher sollten Medienthemen genutzt werden, um Inklusionsprozesse zu stützen und gemeinsame Erfahrungs-, Handlungs- und Kommunikationsprozesse zu schaffen. Bosse zitierte die viel diskutierten Artikel des Grundgesetzes zum Thema Bildung, Bewusstseinsbildung und Zugänglichkeit zu den Medien, um die Notwendigkeit der inklusiven Medienbildung zu verdeutlichen. Die verschiedenen Medien sollen als pädagogisches Instrument genutzt werden, um in der inklusiven Medienbildung vor allem soziale und reflexive Medienkompetenzen zu vermitteln. Im weiteren Verlauf seines Vortrages schilderte er die Situation im momentanen Studienablauf im Bereich Sonderschulpädagogik, in welchem Medienpädagogik nicht verpflichtend im Studienplan vorgesehen ist. Er rät dringend dazu die Vermittlung von Medienkompetenz, vor allem auch unterstützt durch Praxisphasen, an Sonderschulen fest im Studienplan zu verankern.  Seinen Vortrag schloss er mit einer kurzen Vorstellung unterstützender Technologien, wie beispielsweise spezielle Tastaturen oder Sprachcomputer ab.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die inklusive Medienbildung:

  1. Medien sind für Menschen mit Handicap noch nicht ausreichend barrierefrei gestaltet, obwohl sie nicht von der Gebühr für die öffentlich rechtlichen Anbieter befreit sind. Daher sollten Medienmacher ihre Verantwortung in diesem Bereich verpflichtend wahrnehmen und ihr Angebot erweitern bzw. dementsprechend umstellen.
  2. Wichtig und Notwendig ist das Schaffen gemeinsamer Erfahrungs-, Handlungs- und Kommunikationsräume für Heranwachsende mit und ohne Beeinträchtigungen.
  3. Für die Medienbildung in Sachsen-Anhalt ist es unabdingbar, dass Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Medienpädagogik besser geschult werden und sich den neuen Medien öffnen. Zusätzlich muss der Bereich der Medienkompetenzvermittlung verpflichtend in die Lehrerausbildung aufgenommen werden.
  4. Eine Vernetzung im Land ist erstrebenswert um zusammen zu arbeiten und voneinander lernen zu können. Aktuell existiert bereits eine Arbeitsgruppe zum Thema „Inklusion“. Es sollte allerdings ein bundesweites Portal geschaffen werden, um inklusive Projekte zu bündeln und zu koordinieren.

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Videostatements

Panel 3: Die Arbeitsgemeinschaft Medienbildung/-kompetenz Sachsen-Anhalt

Leitfragen:

  1. Welche Aufgaben und Ziele verfolgt die AG Medienbildung/- kompetenz Sachsen-Anhalt?
  2. Wie ist der Ist-Stand und welche ersten „Etappenziele“ wurden durch die AG Medienbildung/- kompetenz Sachsen-Anhalt erreicht?
  3. Welche Mehrwerte und welche Schwierigkeiten haben sich bis dato ergeben?
  4. Zu welchen Empfehlungen und Ergebnissen sind die Unterarbeitsgruppen „Medienpass“ und „Medienkompetenz in der Lehrerbildung“ gekommen?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Jens Antefuhr (Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt; Vorsitz Arbeitsgemein­schaft Medienbildung/-kompetenz des Landes Sachsen-Anhalt); Prof. Dr. Paul Bartsch (Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt; Vorsitz Unterarbeitsgruppe Medienkompetenz in der Lehrerbildung)
Moderation: Uwe Gajowski (Deutscher Journalisten-Verband Sachsen-Anhalt)

Das Panel wurde mit der Vorstellung der Arbeitsgemeinschaft Medienbildung/-kompetenz des Landes Sachsen-Anhalt durch den Vorsitzenden Jens Antefuhr eröffnet. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat im September 2010 ausdrücklich festgestellt, dass Medienkompetenz eine unverzicht­bare Schlüsselqualifikation in der Informationsgesellschaft ist. Gleichzeitig wurde laut Antefuhr die Landesregierung gebeten, ein Konzept für die Förderung der Medienkompetenz in Sachsen-Anhalt zu erarbeiten. Die wesentlichen Aufgabenbereiche der Arbeitsgruppe sind die Stärkung der Medienkompetenz in den Bereichen frühkindliche Medienbildung, Medienbildung in der Schule, außerschulische Medienbildung, Medienkompetenz in der Lehrerbildung sowie Medienbil­dung in der Erwachsenenbildung.
Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) wurde beauftragt, die Medienbildung in der Schule stärker zu etablieren. In Kompetenzorientierten Konzepten wurde die Medienbildung fächerübergreifend für die Grund­schule (4. Klassenstufe) und Sekundarstufe I (10. Klassenstufe) verankert. Das Konzept für die gymnasiale Oberstufe wird laut Antefuhr demnächst durch das LISA erarbeitet. Weiterhin wurden im Land Sachsen-Anhalt 2012 11 Medienpädagogische Berater/-innen durch das Kultusministerium berufen und die Netzwerk­stelle Medienkompetenz Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen.
Die inhaltliche Arbeit der AG wurde in die vier Unterarbeitsgruppen Medienpass“, „Außerschulische Medienbildung“, „Medienkompetenz in der Lehrerbildung“ und „SchulKulturArbeit“ aufgegliedert. Die Unterarbeitsgruppe „Medienpass“ hat sich auf Grundlage einer Landtagsanfrage mit der Prüfung der Einführung eines „Medienkompetenzführerscheins“ auseinandergesetzt.
Als Ergebnis hat sich die Unter­arbeitsgruppe „Medienpass“ für eine dokumentierte Medienkompetenzvermittlung im Einver­nehmen mit dem Kultusministerium ausgesprochen. Herr Prof. Dr. Bartsch stellte anschließend die Ergebnisse der Unterarbeitsgruppe „Medienkompetenz in der Lehrerbildung“ vor. Demnach muss der Erwerb von Medienkompetenzen in allen Lehramtsstudiengängen verbindlich verankert werden. Zudem müssen fachdidaktische Angebote verstärkt den methodischen Einsatz digitaler Medien und Medientechnologien thematisieren. Zudem müssen künftige Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, das fachintegrativ in den Lehrplänen aller Schulformen und Fächer verankerte „Lernen über Medien“ kompetent realisieren zu können. Die Medienbildung in der ersten Phase der Lehrerausbildung muss nach Auffassung der Unterarbeitsgruppe „Medienkompetenz in der Lehrerbildung“ in die anstehenden Zielvereinbarungen der Hochschulen inte­griert werden.Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die weitere Arbeit der AG:

  1. Das bestehende Landeskonzept ist derzeit zu sehr auf die Schule fokussiert. Eine Auswei­tung auf andere Bereiche ist zwingend notwendig.
  2. Bei der Medienkompetenzvermittlung mangelt es an verbindlichen Rahmenbedingungen in Schulen.
  3. Die Bereiche der Ausbildung (UNI und Hochschule) müssen Medienbildung stärker integrie­ren.
  4. Schulen sollen sich gegenüber Bildungsangeboten von außerschulischen Institutionen öffnen.
  5. Es bleibt offen, ob Sachsen-Anhalt ein eigenes Schulfach „Medienkunde“ benötigt.
  6. Die Integration der Medienbildung in die erste Phase der Lehrerausbildung muss derzeit forciert werden, da die Zielvereinbarungsverhandlungen mit den Hochschulen für 2014 laufen.

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Videostatements

Panel 4: Politik, Kirche, Wohlfahrtsverbände

Leitfragen:

  1. Welche konkreten Maßnahmen zur Medienkompetenzförderung wurden/werden seitens politischer Parteien, Kirchen- und Wohlfahrtverbände in Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht?
  2. Welche Interessen werden mit der Förderung von Medienkompetenz verbunden?
  3. Können Politik, Kirche und Wohlfahrtsverbände Wegbereiter für eine nachhaltige Medienbildung in die Breite sein?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Maik Reichel (Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt)
Diskutierende: Albrecht Steinhäuser (Oberkirchenrat & Vorsitzender Versammlung MSA), Rolf
Hanselmann (Der PARITÄTISCHE Sachsen-Anhalt), Thomas Erling (Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt)
Moderation: Torsten Bau (Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis)

Maik Reichel betonte in seinem Eingangsvortrag, dass Medienkompetenz eine wichtige Schlüsselkompetenz in einem sich rasant entwickelnden Alltag sei. Um dem Ziel der gesellschaftlichen Teilhabe aller Bürger gerecht zu werden, sollte die Politik in diesem Zusammenhang eine stärkere Rolle einnehmen. So könnten thematisch zugeschnittene Weiterbildungsmaßnahmen den lebenslangen Prozess der Medienkompetenzaneignung unterstützen. Hintergrund sei, dass sich alle Menschen neuen und sich ständig verändernden Kommunikationsmöglichkeiten anvertrauen und sie diese zur Gestaltung ihres Alltags nutzen können. Das sind die Voraussetzungen, die nötig sind, um Bürgerinnen und Bürger in politischen Belangen zu erreichen und sie in ihrer politischen Partizipation zu unterstützen, betonte Reichel. Von daher müssten Politik, Kirche und Wohlfahrtsverbände künftig Strukturen und attraktive Angebote schaffen, um unterschiedlichste Zielgruppen mit und über Medien anzusprechen.

Diese Aspekte wurden in der anschließenden Diskussion weiter thematisiert. Folgende Anregungen für die eigene Arbeit im Sinne medienpädagogischer Zielstellungen wurden formuliert:

  1. Medien dienen als Sprachrohr für die Meinungs- und Willensbildung unter politischen, religiösen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten und sie fördern Partizipationsprozesse. Das erfordert es, seitens der Kirche, Politik und Verbände, frühzeitig medienpädagogische Maßnahmen durch langfristige Kooperationen zu fördern. Deren organisatorischen, finanziellen und infrastrukturellen Herausforderungen müssen sich alle beteiligten Partner stellen.
  2. Die Ausbildung des eigenen Personals sowie qualitative Bewertung aller medienpädagogischer und -praktischer Maßnahmen im außerschulischen Bereich ist allen ein notwendiges Anliegen (Pfarrer und Gemeindepädagogen, Referenten) und sollte stärker in den Focus gerückt werden.
  3. Politik, Kirche und Wohlfahrtsverbände müssen künftig klar formulieren, auf welchen Kommunikationswegen sie ihre Zielgruppen erreichen wollen und können, um ihre Werte und Belange zu transportieren bzw. ihre Angebote zu präsentieren. Dabei spielen auch die Sozialen Medien eine große Rolle. Hierfür müssen Voraussetzungen definiert werden, auch unter Betrachtung des Datenschutzes.
  4. Es besteht die Chance, dass Kirche, Politik und Verbände Impulsgeber für Regeln und Verhaltensnormen in medialen Gemeinschaften/Netzgemeinschaften sein könnten, im Einklang mit ihren jeweiligen zu vermittelnden Werten und Normen.
  5. Die Lücken in der Medienbildung zwischen den Generationen müssen unter Berücksichtigung verschiedener Lebenswelten von Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen überbrückt werden. Kirche, Politik und Verbände sehen sich als mögliche Wegbereiter für eine nachhaltige Medienbildung in die Breite. In Teilen sehen sie sich auch in der Verpflichtung und Verantwortung. Alle Unterorganisationen und -verbände sollten sich diesem Vorhaben verstärkt anschließen. Auf diesem Weg werden Grundlagen und Voraussetzungen für die Akteure innerhalb der Medienkompetenzförderung geschaffen.

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Videostatements

Panel 5: Herausforderungen für die Familie 2.0

Leitfragen:

  1. Welchen Problemen sehen sich v.a. Familien im Zeitalter des Web 2.0 ausgesetzt?
  2. Wer steht in der Verantwortung diese Probleme zu lösen? Der Staat, der für die entsprechenden Gesetze zu sorgen hat? Die Anbieter von Webseiten und Portalen? Die Nutzer selbst?
  3. Welche konkreten Unterstützungsmöglichkeiten brauchen Familien? Welche relevanten Maßnahmen halten Datenschutz, Verbraucherschutz und Jugendmedienschutz für Familien eventuell bereits vor? Und reichen diese Maßnahmen aus?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Andrea Wegner (Deutscher Kinderschutzbund – Landesverband LSA e.V.)
Diskutierende: Michaela Zinke (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.);
Dr. Michael Glage (Landesbeauftragter für den Datenschutz Sachsen-Anhalt)
Moderation: Walter Demski – (Medienanstalt Sachsen-Anhalt)

Mit einem Impulsvortrag führt Frau Wegner in das Themengebiet ‚Familien und Web 2.0 ‘ ein. Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen, birgt aber auch Risiken. Die neuen digitalen Kommunikationstechniken sind geeignet, Raum und Zeit zu überwinden, sie verändern die Ökonomie und eröffnen neue Bildungschancen. Der medial bestimmte Familienalltag steht vor neuen Herausforderungen durch zunehmend mediengestützter statt persönlicher Kommunikation. Die Familie wird öffentlicher, die Privatsphäre wird kleiner. Um den Familien ein Fundament für eine sinnvolle Orientierung im Web 2.0 zu ermöglichen, bietet der DKSB den Familien das Kursangebot „Wege durch den Mediendschungel“ an, der dem Kinder- und Jugendmedienschutz eine besondere Stellung einräumt und die Medienerziehungskompetenzen der Eltern stärkt. Die Kursangebote helfen den Familien:

  • richtige Entscheidungen für eine altersgerechte Mediennutzung zu treffen
  • gemeinsam mit den Kindern mehr Spaß im Umgang mit allen Medien zu haben
  • Selbstvertrauen im Umgang mit den neuen Medien zu entwickeln
  • sich mit anderen Eltern und Erziehenden auszutauschen

Frau Zinke erläutert die Aufgaben des Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) als Interessenvertretung der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Sie unterstreicht die Bedeutung des Kindermedienschutzes gerade bei Onlineangeboten für Kinder. Zahlreiche Angebote arbeiten mit untergeschobener Werbung und versteckten Kosten. Im Rahmen des vzbv-Projektes „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ wurden in den Jahren 2010 und 2011 52 Kinderspielseiten im Internet überprüft. Gegenstand der Untersuchung war die Art und Weise der auf diesen Seiten eingebundenen Werbung. Auf drei Kinderspielseiten wurde darüber hinaus auch der Umfang der im Rahmen von Gewinnspielen erhobenen Daten von Minderjährigen überprüft. Insgesamt wurden 29 Unterlassungsverfahren eingeleitet, von denen 17 Verfahren außergerichtlich durch die Abgabe einer Unterlassungserklärung geklärt wurden. Die Anbieter haben ihre Internetseiten nach Abschluss der Verfahren geändert.

Herr Dr. Glage umreißt die Kernbereiche des Datenschutzes und des Persönlichkeitsrechtes in Deutschland und Europa. Aufsichtsverfahren gegen große Anbieter wie z. B. Facebook sind relativ schwierig zu führen. Gerade bei den Anbietern der sozialen Netzwerke sind erhebliche Verbesserungen im Datenschutz dringend geboten. Das kommerzielle Interesse ist nicht nur auf Geld gerichtet, auch auf die Beziehung von Daten. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung sollte gestärkt und besser durchgesetzt werden. Der Staat ist hier gefordert einzugreifen, wenn der Nutzer nicht mehr selbständig dazu fähig ist. Ein besonderes Schutzbedürfnis der Kinder ergibt sich auch im Zusammenhang mit Fragen des Datenschutzes auf Kinderseiten. Betreiber von Kinderseiten beschränken sich nicht immer auf das reine kostenlose Spielangebot. Eine andere Währung, nämlich die in Form von Daten, ist zunehmend bei den auf Kinderseiten angebotenen Gewinnspielen zu beobachten, in denen Kinder bei einer Teilnahme an einem Gewinnspiel aufgefordert werden, ihre Daten preiszugeben und sich zu erklären. Frau Zinke fügt hinzu, dass ihrer Meinung nach für bestimmte Online-Angebote Altersgrenzen für Kinder und Jugendliche festgesetzt werden sollten.

Herr MdL Jan Wagner hinterfragt kritisch eine allzu stark Eltern-bezogene Sicht auf die Medien. Neben bedenklichen Medienangeboten werden den Kindern und Jugendlichen zahlreiche ausgezeichnete Angebote im Internet unterbreitet. Die Diskussionsrunde wird mit der Feststellung abgeschlossen, dass unterhaltsame und informative Bildungsangebote, so z. B. die Kursangebote des DKSB und des Medienkompetenzzentrums der MSA, ein geeignetes Mittel darstellen, um Familien wirksam in der Medienerziehung zu unterstützen.

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Videostatements

Panel 6: Außerschulische Medienbildung mit Jugendlichen

Leitfragen:

  1. Wie sieht eine gelungene, zeitgemäße außerschulische Medienbildung für Jugendliche aus?
  2. Welche Standards lassen sich für die außerschulische Medienarbeit aus Forschung und Praxis ableiten?
  3. Welche Rahmenbedingungen und Projektformen sind notwendig, um Jugendliche für außerschulische Medienprojekte zu gewinnen?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Prof. Dr. Uwe Sander (Universität Bielefeld)
Diskutierende:  Diana Elsner (Offener Kanal Merseburg-Querfurt e.V.); Juliane Epp (Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V.); Markus Wollschläger (Corax e.V. – Initiative für Freies Radio); Sofia Kirschnick & Susanne Scholz (Jugendredaktion Corax e.V. – Initiative für Freies Radio)
Moderation: Olaf Schütte (fjp>media – Verband junger Medienmacher Sachsen-Anhalt)

Medienbildung nimmt einen immer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Das dazugehörige Forschungsfeld ist allerdings noch relativ jung. So gibt es weder generationsübergreifende Untersuchungen, noch Standards für die Medienkompetenzvermittlung. Für viele Medienpädagogen/-innen ist dies bei der täglichen Arbeit einerseits hinderlich, andererseits stellt es auch den Reiz des Berufsfeldes dar. Prof. Dr. Uwe Sander rückte in seinem Impulsvortrag die Frage nach einer gelungenen und zeitgemäßen Medienbildung für Jugendliche in den Fokus. In einer sich wandelnden Gesellschaft, in der sich das klassische Erziehungsprinzip langsam wandelt und Jugendliche sich durch den Gebrauch von Medien z.T. selbst sozialisieren, sind laut Sander neue Rahmenbedingungen für Medienbildung notwendig. Um erfolgreich medienpädagogisch arbeiten zu können, bedarf es laut Sander in erster Linie einer gesicherten Finanzierung. Dabei spiele die Förderpolitik des Bundes und der Länder eine wichtige Rolle. In Schulen und Jugendverbänden müssen zudem bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Nur dann, sei eine qualitativ gute medienpädagogische Arbeit möglich. Als Ziele der Medienpädagogik nannte Sander die Entwicklung von Qualifikation, funktional verwertbaren Fähigkeiten sowie die Förderung von Kreativität und Eigeninitiative bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Dabei sollen außerschulische  Medienbildungsangebote nicht als sozialpädagogische Maßnahmen für Benachteiligte, sondern als offene Angebote für alle gesehen werden.

Die anschließende Diskussion, unter der Leitung von Olaf Schütte, ließ auch Raum für die Vorstellung verschiedener Medienprojekte, in denen sich Jugendliche engagieren.           
Frau Elsner stellte die Angebote des Offenen Kanals Merseburg-Querfurt e.V. vor. Hierzu zählen verschiedene Medienprojekte mit Jugendlichen, die mobile medienpädagogische Arbeit für unterschiedliche Bildungseinrichtungen sowie die Trickfilmwerkstatt und kulTVrt – Jugend MACHT Video. Markus Wollschläger stellte die Projektangebote von Radio Corax vor und ging dabei vor allem auf die Jugendredaktion des Senders ein. Für Wollschläger sind Vertrauen, Beständigkeit und Verlässlichkeit wichtige Faktoren, um Heranwachsende langfristig für außerschulische Medienprojekte begeistern zu können. Auch die Finanzierung und die Verfügbarkeit gut ausgestatteter Räumlichkeiten sind wichtige Faktoren für eine erfolgreiche medienpädagogische Arbeit. Die Basis für ein gutes Projekt sei zudem ein fester Ort, da dieser den Beteiligten Halt böte. Noch wichtiger sei es aber, dass Inhalte nicht vorgegeben werden, sondern Jugendliche sich frei, ihren Interessen entsprechend äußern können. Auch Julia Epp von der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen Anhalt e. V. stellte ihre Angebote dar. Besonders wichtig sei es für sie, den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen zu können. Man solle ihnen zuhören und Raum für Gestaltung lassen. Nur wenn das Interesse der Jugendlichen dauerhaft bestünde, sei auch eine nachhaltige medienpädagogische Arbeit im außerschulischen Bereich möglich.

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Videostatement

 

Panel 7: Medienpädagogische Netzwerke im Gespräch

Leitfragen:

  1. Was macht eine erfolgreiche, lokale medienpädagogische Netzwerkarbeit aus?
  2. Welche gemeinsamen, aber auch unterschiedlichen Ziele verfolgen die Netzwerke?
  3. Mit welchen Schwierigkeiten haben die Netzwerke zu kämpfen und welche Lösungsstrategien halten sie vor?
  4. Welche (medienpädagogischen) Mehrwerte ergeben sich aus der Netzwerkarbeit für die Regionen?

Paneldokumentation:Diskutierende: Andreas Hedrich (Mediennetz Hamburg e.V.), Philipp Buchholtz (Netzwerk.
Medienpädagogik.Sachsen), Jacqueline Vonau (Netzwerk Medienkompetenz Sachsen-Anhalt), Dr. Ursula Rumpf (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien), Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut, Gesellschaft für Medien, Bildung und Kultur mbH), Katja Friedrich
(medien+bildung.com) Moderation: Kirstin Grunert (GMK-Landesgruppe Sachsen-Anhalt)

Vereine, Initiativen sowie Organisationen, die sich der Vermittlung von Medienkompetenz widmen, gibt es viele. Doch wie lassen sich diese Aktivitäten bündeln – überregional und regional? Wie wird dabei mit der schwierigeren Finanzierung von Medienkompetenzprojekten umgegangen? Welche medienpädagogischen Mehrwerte ergeben sich aus der Netzwerkarbeit für die Regionen? Mit diesen Fragen eröffnete Frau Grunert das Panel. Herr Hedrich skizzierte die aktuelle Situation vom Mediennetz Hamburg e.V., zu dessen Aufgaben Lobbyarbeit für Medienbildung, Aufdecken von Kooperationsmöglichkeiten und Sichtbarmachen der Medienbildungslandschaft zählen. Das Mediennetz ist ohne Beteiligung von offizieller Seite gestartet. Frau Friedrich berichtet über die Netzwerkarbeit in Rheinland-Pfalz. Erste Ideen für die Vernetzung von Medienbildung gab es dort bereits 1990. Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) erkannte, dass ein neues, zukunftsorientiertes Konzept für Medienpädagogik benötigt wird – 13 Jahre später/heute gibt es 8 Medienkompetenznetzwerke auf regionaler Ebene. Frau Dr. Rumpf berichtet über die Situation in Thüringen, wo es schon seit Anfang der 1990er Jahre eine enge Verbindung zwischen Schule und externen Medienpartnern gab. In Thüringen entwickelten sich die Netzwerke dezentral; ein institutionelles Netzwerk ist gerade im Aufbau. Philipp Buchholtz geht kurz auf die Netzwerkbildung in Sachsen ein. 2009 hat sich ein Landesverband aufgebaut, der versucht alle Akteure der Medien­bildung zu vernetzen – sowohl in Wissenschaft und Lehre als auch in der Praxis. Die Netzwerke sind in Sachsen weitestgehend noch im Aufbau. Herr Dr. Gapski berichtete über die Aktivitäten des Grimme-Instituts zur Förderung von Medienkompetenz in Nordrhein-Westfalen. Dazu zählen mekonet, das Medienkompetenz-Netzwerk NRW (gefördert durch das Land und die LfM NRW), der medienpädagogische Atlas NRW (LfM), der auch lokale Netzwerke erfasst sowie verschiedene Fortbildungsangebote für Multiplikatoren in der Medienbildung. Allgemein verweist Dr. Gapski auf Gelingensbedingungen erfolgreicher Netzwerkarbeit, zu denen er die Setzung von konkreten Zielen, das Wirken von Promotoren, das Netzwerkmanagement und eine begleitende Evaluation mit Rückkopplung zählt. Frau Vonau beschreibt die Situation in Sachsen-Anhalt. Das hiesige Netzwerk will dazu beitragen, dass sich Akteure, die in Sachsen-Anhalt Medienkompetenz vermitteln, vernetzen und vorhandene Ressour­cen teilen. Damit soll auch die Nachhaltigkeit von medienpädagogischen Aktivitäten erhöht werden. Nach 18 Monaten Netzwerkarbeit wird deutlich, dass zahlreiche Bedarfe vorhanden sind und das Angebot von vielen Seiten gewünscht und benötigt wird.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für medienpädagogische Netz­werkarbeit:

  1. Netzwerkarbeit ist (leider) oft ehrenamtliche Arbeit. Mit Blick auf die Netzwerke gibt es in den einzelnen Ländern nur sehr wenige fest finanzierte Stellen.
  2. Die Finanzierung von medienpädagogischen Projekten ist oft schwierig, zeit- und arbeitsinten­siv, v.a. die Anwerbung von Honorarmitteln.
  3. Der Aufbau von Vertrauen zwischen den Akteuren ist ein langer Prozess. Hier sind klare Zielstel­lungen erforderlich, um die Arbeit erfolgreich gestalten zu können. Offenheit, Engage­ment und Vertrauen sind für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit unabdingbar.
  4. Bei der Entwicklung von Medienbildungskonzepten für die Länder sollten die regionalen Akteure der Netzwerkarbeit in den Entwicklungsprozess einbezogen werden.
  5. Es wird eine überregionale Zusammenarbeit begrüßt und der Erfahrungsaustausch mit anderen Bundesländern gewünscht.

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Videostatements

Panel 8: Medienbildung in der beruflichen Bildung

Leitfragen:

  1. Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten werden heute unter dem  Schlagwort Medienkompetenz von (zukünftigen) Berufstätigen erwartet? Welche Anforderungen stellen Arbeitgeber/-innen an ihre (zukünfitgen) Berufstätigen erwartet? Und wie „medienkompetent“ sind Mitarbeiter/-innen tatsächlich?
  2. Wer ist für die Medienkompetenzförderung im Job verantwortlich – der/die Arbeitende in Eigenregie oder der Arbeitgeber? Welche beispielhaften Konzepte halten Unternehmen und Bildungseinrichtungen vor, um die Medienkompetenz von Menschen im Berufsleben zu fördern?
  3. Und wie könnte die Medienkompetenzschulung der Zukunft aussehen, wenn Anforderungen an die Mitarbeiter/-innen zum souveränen Umgang mit IT und Medien weiter steigen?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Dr. Anna-Marie Kamin (Universität Paderborn)
Diskutierende:  Ronald Burchert (Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt e.V.), Dirk Bartens (Verband der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt e.V.), Matthias Schmidt (Medienanstalt Sachsen-Anhalt), Diana Nebe (Bundesagentur für Arbeit)
Moderation: Prof. Dr. Dorothee Meister (Universität Paderborn)

Frau Dr. Kamin griff in ihrem Impuls den aktuellen Stand der Medienbildung in der Erwachsenenbildung auf und konstatierte dabei, dass diese keine ausreichende Beachtung in allen Bereichen fände. An der Universität Paderborn wurden verschiedene Studien entwickelt, wobei die Rolle der digitalen Medien in der beruflichen Bildung untersucht wurde. Kamin erklärte, dass man in diesem Zusammenhang von einer Pluralisierung der Bildungsangebote (gestützt auf BIP Bildungsreport) spräche. Ganz oben stünden nach wie vor die Volkshochschulen. Zudem fände eine sogenannte Entdifferenzierung von Lernorten statt („Wir lernen nicht mehr nur noch an einem Ort“). Dies führe zu Veränderungen in der Lernstruktur (lebenslanges Lernen). Das lebenslange Lernen würde allerdings ein hohes Maß an Selbstdisziplin voraussetzen. Des Weiteren würden Medien in der Organisation, Dokumentation, bei Angebotsübersichten, der Verwaltung, dem Marketing etc. eine wichtige und bedeutende Rolle spielen. Aber auch als  Lerngegenstand (E-Learning) würden Medien immer wichtiger werden. Virtuelle Lernangebote in den unterschiedlichsten Bereichen stünden zur Verfügung und setzten keine Präsenz vor Ort voraus. Somit fände Lernen heute eher nebenbei als bewusst statt. Blogs, Wikis und Co. sorgten dafür, dass der Einzelne vom Konsumenten zum Produzenten werde. Lernen fände durch gemeinsames Konsumieren, Produzieren und Kollaborieren statt. An Universitäten werden momentan MOOCS (Massive Open Online Course) diskutiert, bei denen es keine Zulassungsvoraussetzungen gäbe und jeder allein vor seinem Computer lernen könnte. Lernende würden sich aber, entgegen der Entwicklung, soziale Lernformen wünschen, um sich austauschen und miteinander diskutieren zu können. Zudem fänden Onlineangebote laut Kamin oft nicht die nötige Akzeptanz und eigneten sich eher selten für Menschen, die stark an ihre traditionellen Lernformen (Lernen mit Buch und Lehrenden) gebunden wären. Nach einer von Frau Dr. Kamin und ihrer Kollegin durchgeführten Studie, würden sich Erzieher/-innen eher selten trauen, innovative Medienprojekte mit Kindern umzusetzen. Um dies zu ändern, müssten verschiedene Projekte aktiv mit dieser Zielgruppe durchgeführt werden.

Die Diskussion wurde von Frau Prof. Meister mit den Fragen „Wie ist der Anspruch der Arbeitgeber-/Arbeitnehmer im Bezug auf die Medienkompetenz? Wer ist zuständig für Medienkompetenzvermittlung?“ eingeleitet. Herr Ronald Burchert äußerte, dass im Ausbildungsbereich der/die Auszubildende ein gewisses Maß an Medienkompetenz aus der Schule mitbringe. Im Berufsleben habe dann der Arbeitgeber die Pflicht, Medienkompetenz zu schulen.       
Frau Diana Nebe berichtete über Erfahrungen der Arbeitsagentur. Die Arbeitswelt digitalisiere sich zunehmend. Es ist zur Regel geworden, dass Arbeitnehmer/-innen eine hohe Medienkompetenz besäßen. Diese würde auch vom Arbeitgeber erwartet. Bereits bei der Stellensuche seien die Arbeitnehmer gefordert, da diese heute vermehrt über Stellenbörsen im Internet stattfindet und weniger auf dem Postweg.

Herr Matthias Schmidt unterstrich die Erfahrungen der anderen Beteiligten. Die Basis für Medienkompetenz würde seiner Meinung nach in der Schule geschaffen. Der Stand der Medienkompetenzvermittlung in den Schulen Sachsen-Anhalts sei jedoch sehr unterschiedlich. Es gäbe gut ausgebildete Menschen, die eine hohe Medienkompetenz aufweisen, aber genauso viele, die diesen Stand nicht hätten. Sie wüssten heute nicht, welche Fehler sie machen, da es ihnen an der nötigen Kompetenz fehle. Dadurch würde es in den nächsten Jahren einen Wandlungsprozess geben.            
Herr Dirk Bartens äußerte, dass viele der momentan vorhandenen Lerninstrumente nicht durchdacht und schwierig zu nutzen wären. Dies müsse verändert werden. Früher standen weniger Bücher zur Verfügung; heute eine breite Palette an Angeboten. Diese zu selektieren sei schwierig und nicht jedem möglich. Die Gesellschaft müsse laut Bartens wieder anfangen, nachzudenken und selbstständig zu handeln. Wir könnten uns nicht auf die uns angebotenen Möglichkeiten berufen. Wir müssten sozusagen wieder lernen zu lernen.      
Ebenso müssten wir lernen, die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben zu sehen. Denn derzeit bestünde die Gefahr, dass Arbeit ins Privatleben übergeht. Damit dies nicht passiere, sei eine gewisse Medienkompetenz erforderlich, warf Burchert ein.    
Aus dem Publikum wurde eine gewisse Kontrolle der Medienkompetenzvermittlung an den Schulen gefordert. Denn nur weil es in Lehrplänen stünde, würde es nicht automatisch umgesetzt. Bartens warf zudem ein, dass viel Geld für Bildung da sei. Wir hätten nur Angst, diese zu nutzen. (Z.B. Whiteboards, die zwar in einigen Schulen vorrätig seien, unendlich teuer in der Anschaffung waren, aber nicht genutzt würden. Grund hierfür, sind laut Bartens, die viel zu komplizierten Systeme.)

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die Medienbildung in der beruflichen Bildung

  1. Medienbildung und Medienkompetenz sind in der heutigen Berufswelt äußerst wichtig und nicht mehr wegzudenken. Die Art und der Umfang sind aber von Feld zu Feld unterschiedlich.
  2. Der Ausbau des Datennetzes ist zwingend notwendig, damit derzeitige Angebote nicht am fehlenden Netz scheitern.
  3. Sachsen-Anhalt ist im Bereich der Medienbildung sehr gut vernetzt.
  4. Selbststeuerung und Selbstorganisation als didaktische Herausforderung für Weiterbildner.
  5. Medienkompetenzen zu informellen digitalen Lernangeboten müssen systematisch gefördert werden. Digitale Lernangebote sind eher unterstützend zu sehen.

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Panel 9: Social media in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen

Leitfragen:

  1. Wodurch zeichnen sich Social media-Angebote für die pädagogische/politische Arbeit mit Jugendlichen aus?
  2. Welchen Mehrwert kann die Arbeit mit Jugendlichen in Social media-Angeboten für Bildungsprozesse haben? Und welche Hürden sind bei der pädagogischen Arbeit mit Social media zu überwinden?
  3. Gibt es pädagogische Standards für Social media-Projekte? Und wie sieht ein gelungenes medienpädagogisches Social media-Projekt aus?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Jürgen Ertelt (Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der BRD e. V.)
Diskutierende: Prof. Dr. Ilona Wuschig (Hochschule Magdeburg-Stendal), Tom Gräbe (freier Medienpädagoge), Thomas Erling (Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt)
Moderation: Maren Würfel (Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und Neue Medien)

Herr Jürgen Ertelt bot in seinem Impulsvortrag einen Einblick in jugendliche Lebenswelten und betonte, dass die virtuelle Präsenz der Jugend in den Sozialen Medien zunehmend mit ihrem Alltags­leben in der Realität verwoben ist. Er veranschaulichte, wie sich Kommunikationsformen von Jugendlichen über die Jahre verändert haben – und damit auch ihre Vernetzungsleistung. Für die gesamte Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft bedeutet dies eine Herausforderung, der mit konstruktiver Beteiligung an diesem jugendlichen Wandel begegnet werden sollte. Auch die Medienpädagogik sei gefordert, so Ertelt, sich diesem Prozess zu stellen. Er verwies auf das Engagement und die Leistung von Jugendlichen in medienpädagogischen Projekten. Dort widmen sie sich nicht nur aktiv einem Thema, sie sind darüber hinaus auch immens produktiv (Bsp. „Jugend hackt“). Die Gründe liegen für ihn nahe, denn Medien ermöglichen es Jugendlichen, sich „Gehör zu verschaffen“. In Social media-Projekten kann diese Motivation erfolgreich aufgegriffen werden. Hier könnten gemeinsam mit den Jugendlichen Wege aufgezeigt werden, in Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten oder Andersdenkenden zu treten. Sie erfahren neue soziale Räume, in denen sie beobachten, handeln und sich ausprobieren können. Sie lernen, ihre Interessen wahrzunehmen, diese auszudrücken und so ein Stück Gesellschaft mitzugestalten.

Ertel nennt folgende Voraussetzungen für gelungene medienpädagogische Social media-Arbeit: (1) Alle Akteure der Medienpädagogik sind berufen, sich auf die veränderten Kommunikationswege und die gesellschaftliche Teilhabe von Jugendlichen durch Social media einzulassen. (2) Alle in der Jugendarbeit Tätigen müssen Verantwortung tragen, in den Sozialen Medien altersgerechte Inhalte anzubieten und so auf die Jugend zuzugehen sowie sich selbst zu vernetzen; Medienpädagogik müsse politischer werden. (3) Innerhalb der Debatte um die Privatsphäre sei eine Unterscheidung von „privat“ und „intim“ vorteilhaft, um Missverständnisse zu vermeiden. Jugendliche müssten die Gelegenheit erhalten, ihre Privatheit selbst zu definieren.

Die sich anschließende Diskussion brachte weitere Anregungen für Social media-Projekte mit Jugendlichen:

  1. Innerhalb von Social media-Projekten müssen Inhalte gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelt, Ziele definiert und Perspektiven geboten werden.
  2. Notwendig sind ein intensiver Dialog und ein gezieltes Auslösen von Debatten, verbunden mit Engagement und Interesse, losgelöst von nahe liegenden Kontrollen.
  3. Unter der Berücksichtigung einer pädagogischen Angemessenheit ist der direkte Kontakt zu den Jugendlichen als Zielgruppe unerlässlich. Augenhöhe und Rollenverständnis sind wichtige Faktoren.
  4. Für gesellschaftlich verhandelbare Themen an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Politik brauchen Jugendliche Räume, in denen sie unter sich sind, außer Reichweite von Erwachsenen.

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Panel 10: Medienbildung in der Familie

Leitfragen:

  1. Wie gehen Eltern mit dem Thema Medienerziehung in ihrem Alltag um?
  2. Welche Ansprüche werden formuliert und wo liegen die Hindernisse, diese umzusetzen?
  3. Welche Angebote gibt es für Kinder und Eltern?
  4. Was wünschen sich Eltern an Informationen und wie können sie erreicht werden? Welche allgemeinen Erkenntnisse bestehen über die Medienbildungsarbeit mit Eltern?
  5. Welche relevanten Praxisprojekte und Konzepte existieren, die Familien in ihrer Medienerziehung unterstützen?

Paneldokumentation:Impulsvortrag: Prof. Dr. em. Dieter Spanhel
Diskutierende: Mechthild Appelhoff (LFM/Internet ABC), Michael Gurt (flimmo), Birgit Kimmel (LMK/ klicksafe), Susanne von Holten (MSA)
Moderation: Prof. Dr. Dorothee Meister (Universität Paderborn)

Den Eingangsvortrag eröffnete Prof. Dr. Spanhel mit der These, dass man heutzutage kaum noch von „der“ Familie sprechen könne, da Familien verschiedene Lebensformen bündeln. Für die Medienbildung stellt die Familie eine außerordentlich komplexe/heterogene Zielgruppe dar. Mit Blick auf einzelne Familienmitglieder sind Kleinkinder eine wichtige, aber stark vernachlässigte Zielgruppe. Medienpädagogische Elternarbeit ist laut Spanhel in KITA und Schule selbstverständ­lich, im frühkindlichen Bereich aber kaum zu finden. Dies ist bedauerlich, da Kinder bereits im 1. Lebensjahr eine Beziehung zu den in der Familie genutzten Medien aufbauen. Des Weiteren führte er aus, dass es mitunter schwierig ist, Eltern für medienpädagogische Belange zu sensibili­sieren. Dafür gibt es mehrere Gründe: (1) In Familien findet wenig Reflexion darüber statt, wie (stark) Medien im Alltag integriert sind. (2) Eltern haben oft keine Vorstellung davon, warum Medien wichtig für (die Entwicklung ihrer) Kinder sind. (3) Sie haben z.T. auch falsche Vorstellun­gen davon, wie Kinder mit Medien umgehen (Diskrepanz in der Medienwahrnehmung). (4) Schließlich kommt hinzu, dass sich viele Eltern in ihrer Medienerziehung sicher fühlen. Spanhel formuliert folgende medienpädagogische Zieldimension: Eltern sollten sich für das Medien­handeln ihrer Kinder interessieren und als einfühlsame Begleiter bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zur Seite stehen. Dafür ist medienpädagogische Unterstützungsarbeit und Hilfe von außen notwendig, die sich an den vorhandenen Familiensituationen/-konstellationen orientiert. Patentrezepte kann es in der medienpädagogischen Arbeit mit Familien nicht geben.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die medienpädagogische Arbeit mit Familien:

  1. Beim Fernsehen haben Eltern eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit. Beim Internet ist dies seltener der Fall. Daher ist es wichtig, Kommunikation über Medien in der Familie anzure­gen. Eltern müssen sich auf die Medienangebote ihres Nachwuchses einlassen, um eine gelungene Medienerziehung praktizieren zu können. Vorhandene Projekte (wie bspw. flimmo, klicksafe, Internet ABC etc.) können hier unterstützend wirken.
  2. In vorhandenen medienpädagogischen Angeboten fehlen oft konkrete Hilfestellungen für das Erziehungshandeln von Eltern. Dies liegt auch an der Ausbildung der Pädagogen/-innen (zu wenig psychologische Ausbildungsinhalte). In der Praxis werden Eltern häufig als Gegner und weniger als Partner gesehen. Hier ist Nachbesserung notwendig.
  3. Für medienpädagogische Projekte empfiehlt es sich, Kooperationspartner zu suchen, die bereits nah an Familien dran sind. (Beispiel: Projekt „Rucksack“ zur Sprachförderung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte und klicksafe).
  4. In Sachsen-Anhalt finden sich mit Blick auf die Elternmedienarbeit dieselben „Probleme“ wie in den übrigen Bundesländern. Unterstützungsangebote werden meist erst dann abgefor­dert, wenn konkrete Beratungsbedarfe vorhanden sind. Eine präventive medienpädago­gische Elternarbeit wäre aus medienpädagogischer Sicht wünschenswert, lässt sich in der Praxis aber nur bedingt realisieren. Hier müssen Eltern verstärkt sensibilisiert werden.
  5. Für die Projektkonzeption ist die Anbindung an die Praxis notwendig. Die Einbeziehung von praktischen Erfahrungswerten sichert die Qualität der Angebote. Impulse aus KITA und Schule müssen aufgenommen werden.

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Panel 11: Partizipation in und mit Bürgermedien

Leitfragen:

  1. Welche Art von Bürgermedien brauchen wir? Sind sie ein Relikt aus „alten Zeiten“ oder ein notwendiges Korrektiv?
  2. Welche Herausforderungen müssen sich Bürgermedien in Anbetracht des digitalen Wandels und der globalisierten Kommunikation stellen? Welche Chancen stecken in dem Format?
  3. Welchen „(sozialen) Gewinn“ haben Bürgermedien für die Gesellschaft?

Paneldokumentation:Impuls: Jochen Fasco, Direktor der TLM und Beauftragter für Bürgermedien und Medienkompetenz der TLM
Diskutierende: Bettina Wiengarn (Landesverband Offene Kanäle Sachsen-Anhalt e.V.), Marc Westhusen (Corax e. V. – Initiative für Freies Radio), Jens Kerner (Radio SAW), Stefan Förster (RadioJournal)
Moderation: Ricardo Feigel (Medienanstalt Sachsen-Anhalt)

Den Eingangsvortrag eröffnete der Direktor der Thüringischen Landesmedienanstalt TLM mit der These, dass im Kern der zukünftigen Entwicklung die Wahrnehmbarkeit und Relevanz im weiter wachsenden digitalen Umfeld zu verorten sei.  Als besonders wichtiges Element von Bürger-medien in der öffentlichen Wahrnehmung sei ihre wertvolle Funktion als demokratieförderndes Medium festzuhalten.
Die sich anschließende Diskussion drehte sich zunächst um die Frage, in welchem Maße Bürgermedien sich von etablierten Medien unterscheiden sollten, nicht nur ihre Eigenständigkeit zu wahren, sondern auch um als gebührenfinanzierte Community-Media-Modelle nicht in Konkurrenz zu privatwirtschaftlich organisierten Veranstaltern zu treten. Jens Kerner, Unternehmenssprecher Radio SAW betonte in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle der praktischen Umsetzung der Meinungsfreiheit, zeigte aber auch aus seiner Sicht problematische Tendenzen auf, insbesondere beim Nichtkommerziellen Lokalen Rundfunk, der teilweise zu sehr an professionell produziertes Radio erinnere.

Bettina Wiengarn vom Offenen Kanal Magdeburg erinnerte an die frühe Phase der Entwicklung von Bürgermedien in Sachsen-Anhalt, in denen wenig bis gar nicht professionell produziert und gesendet wurde, erinnerte an die Kritik aus dieser Zeit und warb um Verständnis dafür, das auch Bürgermedien und hier besonders die Fernsehsender, sich auch an den Sehgewohnheiten der Zuschauer orientieren müssten. Anderseits sei es auch notwendig, die Gestaltung der Produktionen nicht zu hochwertig zu gestalten, um Zuschauern das für einen Offenen Kanal wichtige Gefühl zu vermitteln: das kann ich auch.

Mark Westhusen sprach sich im Zusammenhang mit der Frage nach Entwicklungsmöglichkeiten von Bürgermedien gegen gesetzliche Auflagen und programmliche Vorgaben durch die Landesmedienanstalten aus. Um die Wertigkeit und Qualität von Bürgermedien zu definieren, sei es unbedingt notwendig, die strukturellen Besonderheiten der Orte zu berücksichtigen, in denen Bürgermedien arbeiten. In Universitätsstädten ergebe sich selbstverständlich ein anderes Bild eines Nichtkommerziellen Lokalradios als in Kleinstädten oder ländlichen Gebieten.

Stefan Förster attestierte als bundesweit agierender Journalist den Bürgermedien in Sachsen-Anhalt durchaus positive Tendenzen und verwies auf die besondere Rolle, die sie als lokale Kommunikatoren in einem ansonsten regional und lokal wenig bearbeiteten Medienumfeld spielten.
Auf Anregung aus dem Publikum wurden die spezifischen Produktionsbedingungen in Offenen Kanälen und Nichtkommerziellen Lokalradios thematisiert, die sich deutlich von den Voraussetzungen bei privaten und öffentlich-rechtlichen Veranstaltern unterschieden.

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Panel 12: Suche Zukunft – Biete Perspektive

Für dieses Panel liegt keine Dokumentation vor.

Panel 13: Erfolgsmodell Scripted Reality: Real und doch nur gespielt?

Leitfragen:

  1. Wodurch zeichnet sich das Format „Scripted Reality“ aus?
  2. Wie viel medial inszenierte Wirklichkeit vertragen die Fernsehzuschauer? Durchschauen junge Rezipienten/-innen die Dekonstruktion nonfiktionaler/dokumentarischer Stilmittel als unterhaltendes Hybridgenre?
  3. Welche medienpädagogischen Unterstützungsangebote braucht das Fernsehpublikum?
  4. Welche Verantwortung haben die Sender gegenüber den Darstellern/-innen und dem Publikum? Und wie nehmen sie diese wahr?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Anke Bergmann (FSF), Christina Heinen (FSF)
Diskutierende: Karen Schönherr (medien+bildung.com), Martin Heine (MSA), Christian Rudnitzki (RTL2), Felix Wesseler (filmpool)
Moderation: Maren Würfel (Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und Neue Medien)

Christina Heinen gab zu Anfang des Impulsvortrags eine kurze Definition von „Scripted Reality“, deren Anfänge in den Gerichtsshows der 90er Jahre liegen, und nannte einige Beispiele: „Die Schulermittler“, „Familien im Brennpunkt“, „Berlin Tag & Nacht“ und „X-Diaries“. Verortet zwischen Fiktion, Realityshows und Doku-Soap, folgt die Handlung einem Script mit Stilmitteln dokumentarischen Erzählens. Vermeintlich reale Personen werden von Laien dargestellt. Am Ende wird meist eine moralische Einordnung gegeben.

Anke Bergmann stellte eine Studie mit Fokus auf „Berlin Tag & Nacht“ vor. Befragt wurden hierzu Jugendliche in Berlin und Cottbus. Das übergreifende Sehmotiv war die real anmutende Darstellung, die auch die Faszination für dieses Format erklärt. Genannt wurde außerdem das „Mitreden können“ als peergrouprelevantes Thema auf Schulhöfen. Das größte Interesse lösen dabei Geschichten um zwischenmenschliche Beziehungen aus, da die Jugendlichen hier am intensivsten sehen können, welches Spektrum Konflikte haben können und welche unterschiedlichen Lösungsstrategien es geben kann. Dass die Protagonisten von „Berlin Tag & Nacht“ viele verschiedene Eigenschaften und Verhaltensweisen in einem Charakter repräsentieren, welche abhängig von der jeweiligen Konfliktsituation zum Tragen kommen, verstärkt den authentischen Eindruck. Daneben wird Berlin – Tag & Nacht durch viele unkonventionelle Aktionen der Protagonisten als überaus lustig wahrgenommen, was allerdings nicht mit einem Vorbild- oder Nachahmungseffekt einhergeht. Als weiteres Sehmotiv spielt für die Jugendlichen auch der Kompetenzerwerb eine Rolle. Man könne lernen, wie das menschliche Zusammenleben organisiert wird, was für das eigene spätere Leben von Bedeutung sein kann (z.B. die Putzplanerstellung in einer WG). Es finden differenzierte Aushandlungsprozesse und Bedeutungszuweisungen statt, indem sie sich in die verschiedenen Positionen der Konfliktbeteiligten hineinversetzen und sich damit ein umfassendes Bild verschaffen. Die Rezeptionshaltung der Teilnehmer kann als reflektiert bezeichnet werden: Sie nehmen nichts als gegeben hin, sondern überprüfen dargestellte Handlungen anhand ihres eigenen Normalitätskonzeptes und verwenden die unterschiedlichen Themen auch zur eigenen Werteorientierung. Entgegen zahlreicher Befürchtungen hinsichtlich des Scripted Reality-Genres kann im Rahmen der von der FSF durchgeführten Trendstudie zu „Berlin – Tag & Nacht“ keine negative Wirkung auf Jugendliche festgestellt werden. 80% der befragten Jugendlichen wussten sicher, dass es sich um fiktive Geschichten handelt. Die übrigen vermuten dies immerhin und fügen verschiedene Beobachtungen an, die ihre Vermutung bestätigen. Als Indikatoren der Teilnehmer nannte sie vor allem die Überdramatisierung und die Nichtbeachtung von Privatsphäre.

Diskussion

Felix Wesseler erklärte, dass filmpool, um eine größere Trennschärfe zu erreichen, für seine gescripteteten Formate den Begriff „Scripted Entertainment“ vorschlägt, da unter „Scripted Reality“ aktuell z.B. auch stark inszenierte Dokus oder sogar Castingshows subsummiert würden und filmpool nicht Realität vorgaukeln wolle, sondern lediglich sehr authentisch erzählen. Dann hielt er fest, dass ihn die Diskussion über „Scripted Reality“ an sich zum jetzigen Zeitpunkt verwundere, da die erste „Scripted Reality“-Sendung „Richterin Barbara Salesch“ gewesen sei, die schon seit dem Jahr 2000 mit Laiendarstellern arbeitete. Filmpool habe heute 160.000 Darsteller in seiner Datei, führe ständig deutschlandweit öffentlich beworbene Castings durch. Zudem sei in jeder Programmzeitschrift oder Zeitung bereits über das Phänomen „Scripted Reality“ breit berichtet worden. Aktuell seien bereits alle Sendungen durch einen schriftlichen Hinweis im Abspann gekennzeichnet. Nicht zuletzt habe filmpool durch Emnid zwei repräsentative Befragungen durchführen lassen, deren Ergebnis – über 80% aller Zuschauer verstanden sehr wohl, dass die Sendungen gescriptet sind – zeige, dass eine zusätzliche Kennzeichnung nicht vonnöten sei.

Christian Rudnitzki als verantwortlicher Redakteur „Unterhaltung“ bei RTL 2 nannte für „Berlin Tag & Nacht“ 17,3 Prozent als höchste bis jetzt erreichte Quote in der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 29jährigen. Der Sender sei sich der Verantwortung bewusst, Konflikte würden immer aufgelöst und gäben so den Jugendlichen die Möglichkeit, diese zu reflektieren. Inhaltlich würde in der Redaktion über moralische Aspekte der Sendungen diskutiert. Außerdem würden sich die Zuschauer auf der Facebook-Seite der Sendung sehr interessiert und differenziert über „Real oder nicht?!“ unterhalten. „Das soll so aussehen wie, aber wir schauens gerne“, sei eine Vereinbarung, die mit den Zuschauern eingegangen worden wäre und würde funktionieren.

Martin Heine wies darauf hin, dass die Medienanstalten vor allem das Problem sehen, dass einige Jugendliche die Fiktion in den Formaten der „Scripted Reality“ nicht erkennen. Er sprach sich für eine einheitliche und sehr deutliche akustische und optische Kennzeichnung von „Scripted Reality“ aus.

Karen Schönherr differenzierte die Zielgruppen von Scripted Realitiy weiter aus. Sie führte an, dass vor allem Gymnasiasten „Scripted Reality“ sehr gut erkennen, jüngere Schüler und Schüler anderer Schulformen würden dies jedoch oft nicht erkennen und könnten die Inhalte nicht reflektieren. Hier seien Lehrer und Eltern gefordert, Impulse zur Reflexion zu geben.

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Panel 14: Medienaneignung von Kindern: Medienkompetent von Anfang an?

Leitfragen:

  1. Wie beeinflussen die Medien die kindliche Entwicklung und welche Kontexte moderieren das frühkindliche Medienverhalten und die Medienaneignung?
  2. Was fangen Kinder in den verschiedenen Altersstadien mit Medien an? Was verstehen sie? Was ängstigt sie? Wo brauchen sie Unterstützung? Wo bestehen altersbedingte Überforderungen und wie können Kinder davor geschützt werden?
  3. Welche medienpädagogische Förderung brauchen junge Kinder für das Leben mit Medien? Wer trägt die Verantwortung für diese Förderung?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Prof. Dr. Helga Theunert
Diskutierende: Juliane Epp (Landesstelle Kinder- und Jugendschutz), Birgit Echtler (Stiftung Zuhören), Birgit Gurth (Super RTL)
Moderation: Achim Lauber (Erfurter Netcode)

Den Eingangsvortrag eröffnete Prof. Dr. Theunert mit der These, dass es keine medienfreie Kindheit gibt. Bereits Babys und ihre Eltern werden durch Medien umworben, Kinder entdecken bspw. aus dem Fernsehen Figuren im Supermarkt wieder. Somit werden Kinder durch den Medienmarkt früh in ein Netz eingesponnen und sie beginnen sehr zeitig Medien selbst zu nutzen. Medienkompetenzförderung muss ein zentrales Ziel sein und so früh wie möglich beginnen. Eltern spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie als Vorbilder fungieren und die Nachhaltigkeit von Lernprozessen bei der Medienaneignung der Kinder nur durch die Interaktion in Form von Hilfestellungen mit Mutter oder Vater erzielt werden kann. Frau Prof. Dr. Theunert geht auf drei Phasen der Medienaneignung von Kindern ein und erläutert diese. Phase 1 beinhaltet das Entdecken der Medien. Inhalte und Funktionen von Medien werden erkannt und als Wissensquelle genutzt. Kinder wollen Medien selbst nutzen können. Ein erstes Medienverständnis wird entwickelt. Phase 2 beinhaltet das Interpretieren von Medienangeboten in den Alltag. Ungefähr im Vorschulalter werden Medien systematisch zur Wissenserweiterung und zum Orientieren genutzt. Informationen aus den Medien werden nicht einfach so hingenommen, sondern durchdacht, bzw. direkt danach gesucht. Phase 3, welche mit Mitte des Grundschulalters beginnt, beinhaltet die Erkundung der vernetzten Medienwelt. Frau Prof. Dr. Theunert führt aus, dass sich aus dieser heutigen Medienaneignung eine Reihe Probleme ergeben. So teilen Kinder heute viel früher Räume mit Erwachsenen, Beispiel Internet. Das kann zu Überforderung der Kinder führen, da sie mit Dingen konfrontiert werden können, die sie noch nicht verstehen. Ein weiteres Problem entsteht durch unterschiedliche soziale Milieus und die damit verbundene unterschiedliche Verteilung von Risiken und Potentialen bei der Vermittlung von Medienkompetenz durch die Eltern. Von daher muss die Gesellschaft entsprechende Strukturen schaffen, damit Medienkompetenzförderung gezielt stattfinden kann, sobald Kinder Medien aktiv handhaben.  

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die medienpädagogische Arbeit mit Kindern:

  1. Es gibt bereits Ansatzpunkte, um mit 2 bis 3-Jährigen im Bereich der Medienkompetenzvermittlung zusammen zu arbeiten. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Mediennutzung. Es ist wichtig in dieser Altersgruppe vor allem die Eltern anzusprechen und ihnen entsprechende Argumentationen und vor allem Informationen für eine sinnvolle Mediennutzung ihrer Kinder in die Hand zu geben.
  2. Kindersender sollten attraktive Angebote für Kinder schaffen und ihre Verantwortung für ein ausgewogenes und pädagogisch wertvolles Programm wahrnehmen.
  3. Viele Pädagoginnen und Pädagogen in Kindertagesstätten und Schulen sind noch nicht ausreichend für die praktische Arbeit mit Kindern ausgebildet.
  4. Das leider immer noch vorherrschende Konkurrenzdenken zwischen schulischer und außerschulischer Medienpädagogik sollte beigelegt werden. Stattdessen sollten Ganztagsschulen gezielter gefördert werden, in denen sich allumfassend mit den Kindern beschäftigt wird und Medienpädagogik somit besser vermittelt werden kann.

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Panel 15: Das Landeskonzept für die Stärkung der Medienkompetenz in S-A

Leitfragen:

  1. Zu welchen Empfehlungen und Ergebnissen ist die Unterarbeitsgruppe „Zielgruppe Hochschulabsolventen der Kultur- und Medienstudiengänge Sachsen-Anhalt, Schwerpunkt Schulkulturarbeit“ und die Unterarbeitsgruppe „Außerschulische Medienbildung“ gekommen? Inwieweit fließen diese in das Landeskonzept ein?
  2. Welche konkreten Maßnahmen und Vorschläge enthält das Konzept bis dato, um  die Medienbildung/ Medienkompetenz in Sachsen-Anhalt zu stärken?
  3. An wen richtet sich das Konzept und wie und wann soll es umgesetzt werden?
  4. Welche Akzente, Entwicklungen und Impulse möchte das Auditorium zur Ausgestaltung des Konzeptes beisteuern?

Paneldokumentation:
Impuls: Kirstin Grunert (GMK-Landesgruppe Sachsen-Anhalt, Mitglied in der UAG Außerschulische Medienbildung), Katja Podzimski (Hochschule Merseburg; Vorsitz UAG Schulkulturarbeit)
Moderation:Jens Antefuhr (Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt; Vorsitz Arbeitsgemein­schaft Medienbildung/-kompetenz beim Land Sachsen-Anhalt)

Herr Antefuhr führt in das Panel ein, indem er die Struktur der Arbeitsgemeinschaft Medienbildung/  -kompetenz sowie die sich gegründeten Unterarbeitsgruppen kurz vorstellt. Frau Grunert vertritt in dem Panel die UAG Außerschulische Medienbildung. In einem ersten Schritt verständigten sich die UAG-Mitglieder über Ziele bzgl. des Themas Medienbildung/Medienkompetenzförderung im Land sowie zur Fortschreibung des aktuellen Konzeptes. In einem zweiten Schritt entwickelten die Kolleginnen und Kollegen Indikatoren zur Zielerreichung. In aufwendiger Arbeit versuchten sich die AG-Mitglieder einen aktuellen Überblick über die Bedingungen im Land zu verschaffen, medienpäda­gogisch tätig zu sein etc. Auf dessen Grundlage wurden in einem dritten Schritt Vorschläge für konkretes Handeln entwickelt, die nun in der Steuerungsgruppe zu diskutieren sind und ggf. in das Landeskonzept Medienbildung/Medienkompetenzentwicklung aufgenommen werden. Die Gruppe hat verschiedene Vorschläge und einige Indikatoren festgestellt, Ministerien angesprochen mit Ände­rungsbedarf bis 2014/2015. Das weitere Vorgehen wird weiter beraten.
Frau Podzimski stellt die Unterarbeitsgruppe – Medienkompetenzvermittlung/Medienbildung, Schwerpunkt Schulkulturarbeit vor. Als Bezugspunkt gilt der Punkt 14 des Konzepts für die Stärkung der Medienkompetenz im LSA: „Die Personalentwicklung des Landes wird dahingehend überarbeitet, dass Schulen die Möglichkeit erhalten, neben Schulsozialpädagogen auch Kultur- und Medienpäda­gogen einzustellen, um den Ausbau der Ganztagsschulangebote zu unterstützen“. Frau Podzimski stellt den Konzeptentwurf der UAG vor. Mittels SchulKulturArbeit wird die Medienbildung als Teil der kulturellen Bildung verstanden. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Strukturen zur Institutionalisie­rung von SchulKulturArbeit an den allgemeinbildenden öffentlichen Schulen des Landes Sachsen-Anhalt. Für die Zielerreichung schlägt die UAG die Durchführung des Schulversuches „SchulKultur­Arbeit“ vor, um die kulturelle Medienbildung an Schulen zu stärken.
Im Anschluss stellt Herr Antefuhr die 14 Punkte des Maßnahmekataloges des Landeskonzeptes vor. Herr Antefuhr lädt die Anwesenden ein, eigene Ideen für die AG mit einzubringen.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die weitere Arbeit am Landes­konzept:

  1. Der Maßnahmekatalog soll demnächst auf der Netzwerkseite veröffentlicht werden.
  2. Das Konzept ist derzeit sehr stark auf den Bereich der Schule konzentriert.  Für die Weiter­entwicklung müssen ebenso folgende Bereiche aufgriffen werden: außerschulische Medien­bildung, frühkindliche Medienbildung, Medienbildung in der beruflichen Bildung sowie die Inklusive Medienbildung.
  3. Im Bereich Schule sollte die Verbindlichkeit zur Teilnahme an medienpädagogischen Fort- und Weiterbildungsangeboten verstärkt werden.
  4. Medienpädagogische Angebote („Leuchtturmprojekte“) müssen verstärkt in die Öffentlich­keit. Dieser Aufgabe soll sich das Netzwerk widmen.
  5. Medienbildung wird als Schlüsselfach gesehen und ist für wissenschaftliches Arbeiten und Kompetenzen im späteren Berufsleben dringend erforderlich.
  6. Medienbildung ist eine Querschnittsaufgabe und muss somit in alle Fächer integriert sein.

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Panel 16: Im Sog der Medien

Leitfragen:

  1. Inwieweit kann man Medien allgemein ein Suchtpotential zuschreiben? Welche Erkenntnisse liefern psychologische und medienpädagogische Untersuchungen hierzu?
  2. Welche erprobten (präventiven) Ansätze gibt es im medienpädagogischen/medienpsychologischen Bereich? Welche konkreten Hilfsangebote gibt es für Betroffene und ihre Angehörigen?
  3. Wer ist verantwortlich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die exzessiv das Internet nutzen oder am Computer spielen? Wie ist das Zusammenspiel von Jugendmedienschutz, Medienpädagogik, Gesellschaft, Elternhaus und Schule zu bewerten?

Paneldokumentation:
Impulsvorträge: Prof. Dr. Johannes Fromme (Universität Magdeburg), Prof. Dr. Gabriele Franke (HS Magdeburg-Stendal)
Diskutierende: Susann Brendler (Suchtberatungsstelle AWO Erziehungshilfe Halle (Saale) gGmbH)
Moderation: Helga Meeßen-Hühne (Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt)

Prof. Fromme wirft in seinem Impuls die Frage auf, inwieweit man bei exzessiver Mediennutzung von z.B.  Computerspielsucht oder Internetabhängigkeit sprechen kann und sollte. In den internationalen Klassifikationssystemen ICD 10 und DSM IV existiert keine Kategorie wie Mediensucht, Onlinesucht o.ä. Er kritisiert daher den oft unreflektierten Gebrauch des Begriffes „Mediensucht“, der seiner Ansicht nach vor allem eine von Erwachsenen gebrauchte Metapher für einen (aus ihrer Sicht) übermäßigen Mediengebrauch bei Kindern und Jugendlichen ist. Wissenschaftlich sei der Begriff zumindest sehr umstritten, vielleicht auch gar nicht haltbar. Die Folge bzw. Gefahr sei eine vorschnelle Pathologisierung des Medienverhaltens. Die Frage, was mit Blick auf die Mediennutzung normal oder pathologisch sei, sei von den zugrunde gelegten Definitionen/Kategorisierungen abhängig, und damit letztlich von normativen Entscheidungen. Prof. Fromme erläutert des Weiteren, dass der Begriff „Internetsucht“ (Internet Addiction Disorder) 1995 von Ivan Goldberg als scherzhafte Scheindiagnose erfunden wurde und sich paradoxerweise etabliert habe. Fromme weist jedoch auch darauf hin, dass zwar bei Diagnose und Bezeichnung des Phänomens keine Klarheit herrsche, das Problem der exzessiven Mediennutzung aber durchaus real sei. So gebe es eben Spieler, denen es z.B. nicht gelinge, ihre Zeiten in digitalen Spielwelten so zu regulieren, dass keine negativen Folgen für andere Lebensbereiche wie Schule oder Familie entstehen.

Frau Prof. Franke spricht in ihrem Eingangsreferat vom pathologischen PC-/Internetgebrauch, der zur Vernachlässigung sozialer Kontakte, der Selbstsorge sowie zu Entzugserscheinungen führe. Sie weist daraufhin, dass es noch keinen Konsens über die exakte Diagnostik gibt und dass standardisierte Interventionsansätze fehlen. An der Hochschule Magdeburg-Stendal, an der sie in Forschung und Lehre tätig ist, sei das Ziel eine „State-of-the-Art“ PPG-Diagnostik.Rückblickend verweist sie auf die Medienentwicklung, in deren Folge „neuen Medien“ schon immer negative Wirkungen zugeschrieben wurden (Bsp. Lesewut vor 300 Jahren, „Fernsehen macht dumm“). Ausgehend von klinisch-psychologischen Untersuchungen, können Lesen und Radio sowie Fernsehen zu sucht-artigem Konsum-Verhalten führen. Das Internet überformt bekannte Verhaltenssüchte wie Sexsucht, Glücksspielsucht oder Kaufsucht. Die Einordnung von Verhaltensweisen als Sucht sei in der Wissenschaft laut Franke umstritten („nicht-stoffgebunden“). Das pathologische Glücksspielist als erste Verhaltenssucht in die aktuellen Klassifikationen psychischer Störungen aufgenommen worden (Impulskontrollstörung).

Frau Brendler, verhaltenstherapeutische Suchtberaterin bei der AWO, bestätigte reale Fälle aus ihrer beruflichen Praxis und berichtete, dass Ratsuchende sie mit einem hohen Leidensdruck aufsuchen. Hier lasse sich sehr gut mit der Suchtanalogie arbeiten, die offensichtlich das subjektive Empfinden (bspw. Kontrollverlust, Einengung des Erlebens, Weiterspielen trotz erlebter erheblicher negativer Auswirkungen, fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten der Internetnutzung/des Spielens) gut abbilde.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen:

  1. Exzessiver Mediengebrauch ist ein ernstzunehmendes Thema, welches von vielen Seiten verantwortet und angegangen werden muss.
  2. Das zunehmende Verschmelzen von Online- und Offlineaktivitäten (z.B. durch Smartphones) muss in der Debatte um exzessiven Mediengebrauch Berücksichtigung finden.
  3. Aufklärung/Prävention ist wichtig. Betroffene können bspw. als „Experten“ in Workshops auftreten und so Aufklärungsarbeit leisten und Anerkennung bekommen.
  4. Es besteht mit Blick auf die Aufklärung die Sorge bzgl. eines Präventionsdilemmas (= besonders gefährdete Zielgruppen werden nicht erreicht).
  5. Medienbildung muss so früh wie möglich beginnen und v.a. den bewussten/reflektierten Medienumgang (und damit auch die Fähigkeit zur Selbstregulation) stärken.
  6. Präventionsmaßnahmen dürfen nicht nur auf die kognitive Ebene zielen, sondern müssen auch die emotionale Seite der Mediennutzung ernst nehmen und berücksichtigen. (Der belehrende Zeigefinger ist zu vermeiden.)

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Panel 17: Arbeitsfeld Medienpraxis

Leitfragen:

  1. Wie schaffen es Medienpädagogen/-innen „up to date“ zu sein?
  2. Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen alle Ecken. Wie viel Innovation ist in der medienpädagogischen Praxis sinnvoll und notwendig?
  3. Welche neuen Medientrends, medialen Interessen oder Aspekte der Medienkultur sollten in der medienpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen derzeit unbedingt aufgegriffen werden?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag:  Eike Rösch & Tobias Albers-Heinemann (Medienpädagogik Praxis-Blog)

Panel 17 wurde als Workshop konzipiert, in welchem die Macher des Medienpädagogik Praxis-Blogs aktuelle Methoden und Trends für die Kinder- und Jugendmedienarbeit vorstellten.

Tobias Albers-Heinemann, der per Videoliveschaltung eingebunden war, eröffnete die Veranstaltung mit Quizfragen aus dem Spiel „Faceboom“. Das „analoge“ Kartenspiel greift Studien und Fragen zur Medienkompetenz auf, die in enger Verbindung mit der Nutzung von Facebook stehen. Das Spiel eignet sich laut Albers-Heinemann sowohl für die Arbeit mit Heranwachsenden als auch mit Eltern (bspw. als Einstieg bei einem Elternabend/Workshop). Die Beschreibung des Spiels findet sich – wie ein Großteil der folgenden methodischen Anregungen – auf dem Medienpädagogik Praxis-Blog.

Anschließend wurde das Publikum aufgefordert, sich mittels Smartphone oder Tablet an einer Umfrage zu ihren Weiterbildungsaktivitäten zu beteiligen. Hierzu stellt Rösch ein an der TU Graz entwickeltes Tool vor: „Realfeedback“ ermöglicht es jeder/jedem über ein Webinterface eine Umfrage zu erstellen, an der das Publikum über Smartphone/Tablet etc. teilnehmen kann. Im Ergeb­nis erhält man ein Balkendiagramm, welches die Antworten bündelt. Dieser Weg ermöglicht es, das Publikum – bei Vorträgen oder Workshops – interaktiv einzubinden.  

Anschließend wurde von Rösch und Albers-Heinemann die Frage aufgegriffen, wie innovativ Medien­pädagogen/-innen sein müssen? Wie viel „technischen Hype“, wie viel Bodenhaftung die medien­pädagogische Praxis braucht? Im Dialog mit dem Publikum wurde deutlich, dass Ziel und Zielgruppe ausschlaggebend für die Wahl medienpädagogischer Methoden sein sollten. Mitunter hindert aber z.B. die fehlende mediale Ausstattung der Schulen technische Innovationen in der Projektarbeit. Grundsätzlich sei laut Rösch ein gesundes Mittelmaß zwischen „Oldschool-Varianten“ und tech­nischen Innovationen sinnvoll.

Im weiteren Verlauf zeigten Albers-Heinemann und Rösch, wie Medienpädagogen/-innen Facebook und Twitter gewinnbringend für das eigene Informationsmanagement nutzen können. Sie erläuter­ten zum einen die Listen- sowie die Gruppenfunktion von Facebook, zum anderen die Nutzung von Hashtags bei Twitter. Des Weiteren verwiesen sie auf Etherpad (webbasierter Editor), wo mehrere Personen in Echtzeit einen Text bearbeiten können: http://medienpad.de/p/nm2013 (Beispiel). RSS-Feeds sowie MOOCs (Massive Open Online Course) werden ergänzend als Fortbildungsmöglichkeiten für Medienpädagogen/-innen genannt.
Albers-Heinemann stellt Projektansätze vor, die sich mit Tablets realisieren lassen: das Erstellen von Podcasts, das Schneiden von Videomaterial sowie das gemeinsame Musizieren. Er verweist auf Rhythm-ios.de: Hier wird ein Jugendprojekt dokumentiert, in welchem Heranwachsende ausschließ­lich mit iOS Geräten wie iPhones und iPads musizieren.

Abschließend gehen die Referierenden auf Sicherheitsrisiken bei WhatsApp ein. Als Alternative nennen Sie Threema. Die App, die ähnlich wie WhatsApp funktioniert, hat eine Besonderheit: Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bewirkt, dass außer Absender und Empfänger niemand eine Nachricht mitlesen kann, auch nicht der App-Anbieter.

In seinen abschließenden Ausführungen geht Rösch auf YouTube ein und präsentiert Wege, wie man das Portal nutzen kann, um mit Jugendlichen zu arbeiten (z.B. in Form von Tutorials oder zum Aus­tausch/Feedback).

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Panel 18: Altern mit Medien in Deutschland

Leitfragen:

  1. Welchen Spezifika unterliegt die Medienkompetenzförderung im höheren Lebensalter?
  2. Welche erfolgreichen Ansätze zur Medienkompetenzförderung sind in der Medienbildung mit und für Senioren/-innen bekannt?
  3. Wie kann man Senioren/-innen für Medienbildungsprojekte gewinnen?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Dr. habil. Anja Hartung (Universität Wien)
Diskutierende: Dr. Gisela Heinzelmann (Seniorenkolleg Universität Halle-Wittenberg),
Ruth Ermentraut (Seniorenredaktion Corax e. V. – Initiative für Freies Radio),
Uwe Jahns (Landesverband der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt e. V.)
Moderation: Dr. Thomas Wilke (Universität Halle-Wittenberg)

Das Alter ist eine biologische sowie kulturelle Tatsache. Mit dieser These eröffnete Dr. habil. Hartung ihren Eingangsvortrag und führte fort, dass sich das Alter neben chronologischen auch durch soziale und gesellschaftliche Aspekte definiert. Dadurch entstünden Altersstereotype, geprägt von stetigen kulturellen Wandlungsprozessen. Im Zuge des demografischen Wandels sei zum einen von einer selbst bestimmten Lebensphase die Rede, mit positiven Auswirkungen auf das Identitätsbild. Zum anderen würden aber Erwartungen an ältere Menschen gestellt, der Gesellschaft noch wirtschaftlichen Nutzen zu bringen. Laut Hartung haben die Medien in dem daraus entstandenen Konzept des lebenslangen Lernens einen wichtigen Stellenwert eingenommen, dessen Potenzial bislang aber nicht ausgereizt wurde. Älteren Menschen würde häufig die Fähigkeit abgesprochen, mit Medien kompetent umgehen zu können, ihre Bedürfnisse und Interessen würden nur selten angesprochen. Hartung nannte folgende Faktoren, um erfolgreiche Medienbildungsprojekte für diese Zielgruppe anbieten zu können: (1) Individuelle Bedürfnisse sind an biographische Erfahrungen geknüpft, weshalb bei der Ansprache der „digital Immigrants“ neben den beruflichen und sozialen auch bereits vorhandene mediale Erfahrungen und Vorlieben berücksichtigt werden sollten. (2) Ältere müssten als erfahrene und kritische Mediennutzer/-innen ernst genommen werden, Projekte demnach nicht nur für diese Zielgruppe, sondern vor allem mit ihnen gestaltet werden. (3) Für die Medienbildung im Alter müssten gesellschaftliche, finanzielle und soziale Rahmenbedingen geschaffen und klare Ziele definiert werden.

Die sich anschließende Diskussion brachte weitere Anregungen für Medienbildungsprojekte mit und für Senioren/-innen:

  1. Medienbildungsangebote für Ältere entstehen teils aus bereits etablierten Medienprojekten bzw. orientieren sich am bereits Gelernten. Eine aktive Beteiligung empfinden viele als bereichernd. Bedürfnissen und Ängsten vor neuen Erlebnissen muss jedoch offen begegnet werden. Nachhaltig wirkende Angebote sind gewünscht und Akzeptanz für jene, die keine Weiterbildung in Anspruch nehmen wollen.
  2. Eigenengagement ist wünschenswert, differenzierte Lebenswelten müssen aber berücksichtigt werden. Zu klären ist, welche Motivationen bei Älteren für eine Medienorientierung bestehen und gefördert werden können.
  3. Medien sind Quelle neuer gemeinsamer Erfahrungsräume. Mit diesem Ziel im Blick wird sozialer Anerkennung, neuen Sichtweisen und letztlich neuen Bildungsprozessen ein Raum gegeben.
  4. Generationsübergreifende Konzepte sind nötig, um altersübergreifend kommunizieren zu können und „das Alter“ nicht zu pauschalisieren. Es muss mehr Integration der Älteren stattfinden, um einen Austausch und eine gegenseitige Perspektivenerweiterung zu festigen.
  5. Hinsichtlich der Mediennutzung wären Angebote hilfreich, welche Filterkompetenzen fördern, um sich den Medien nicht aufgezwungen zu fühlen, sondern Inhalte bewusst auszuwählen.

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Panel 19: Medien in der KITA

Leitfragen:

  1. Gehören Medien in die KITA? Was spricht für eine frühe Medienbildung?
  2. Wie kann Medienbildung in der KITA sinnvoll und pädagogisch verantwortlich umgesetzt werden?
  3. Welche Anforderungen sind diesbezüglich an die Erzieher/-innen zu stellen?

Paneldokumentation:
Impulsvortrag: Prof. Dr. Stefan Aufenanger (Uni Mainz)
Diskutierende: Henrike Friedrichs (Uni Bielefeld), Dr. Nadine Grochla-Ehle (Hochschule Magdeburg-Stendal), Sabine Eder (Blickwechsel e.V.), Juliane Epp (Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt)
Moderation: Prof. Dr. Dorothee Meister (Universität Paderborn)

Mit seinem Impulsvortrag bietet Prof. Dr. Stefan Aufenanger einen  Einstieg ins Thema. Relevante Themen sind seiner Meinung nach zum einen der gesellschaftliche Konsens über frühe Mediennutzung bzw. Medienkompetenzförderung und zum anderen institutionsübergreifende Erziehungs- und Bildungspläne. Hinzu kommen eine Akademisierung der Ausbildung des pädagogischen Personals der Kindertageseinrichtungen, die wechselseitigen Erwartungen von Vorschul- und Grundschulbereich und die medienpädagogische Kompetenz von Kindern und Erwachsenen in beiden Bereichen. In Folge präsentiert er rezente Daten zur Mediennutzung von Kindern bis fünf Jahren. Diese beinhalten den Zusammenhang von Mediennutzung und Sprachentwicklung. So haben vielsehende Kinder, die überwiegend Unterhaltungssendungen konsumieren, in Sprachtests niedrigere Werte als Wenigseher. Prof. Dr. Aufenanger führt weiterhin aus, dass Medien nicht zufällig genutzt werden, sondern Medienthemen die thematische Voreingenommenheit bedingen. Es gibt keine Studie, die negative Folgen der Nutzung von Computern in Kindertagesstätten zeigt. Die positiven Folgen sind allerdings auch minimal. Ein Forschungsprojekt zur Nutzung von Computern an Kindertageseinrichtungen, an welcher Prof. Dr. Aufenanger mitgearbeitet hat, ergab, dass durch Computernutzung die kommunikative und kognitive Entwicklung der Kinder nicht negativ beeinflusst wird, ganzheitliches und einheitliches Denken können gefördert werden. Die Effekte hängen sehr stark von der pädagogischen Einbettung der Computernutzung sowie den Voraussetzungen der Kinder ab. Aufenangers Fazit lautet u.a. dass Kinder im Vorschulalter von der Computernutzung profitieren können, wenn sie entsprechend pädagogisch unterstützt werden. Forschungslücken finden sich in den Bereichen der Fähig- und Fertigkeiten von Vorschulkindern im Umgang mit digitalen Medien und zum medialen Habitus/Deutungsmuster von ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen.

Die sich anschließende Diskussion brachte folgende Anregungen für die medienpädagogische Arbeit in Kindertagesstätten:

  1. Projektarbeit im Kindergarten ist immer abhängig vom Kontext: Was passt in die jeweilige KITA hinein, was ist bereits gegeben bzw. vorhanden? Wie stehen ErzieherInnen dem Thema „Medienpädagogik“ gegenüber?
  2. Eltern stehen dem Thema Medienkompetenzvermittlung im Kindergarten oft noch sehr kritisch gegenüber und ErzieherInnen sind oft sehr zögerlich bei der Nutzung vorhandener Möglichkeiten wie bspw. „Schlaumäuse“. Zusätzlich sind Kindertagesstätten eher spärlich mit Technik ausgestattet. Hier ist mehr politische Arbeit gefragt, es scheitert nicht an den Bildungsplänen des Landes sondern eher an den IT-Verantwortlichen des jeweiligen Trägers der Einrichtungen.
  3. Eine Akademisierung der ErzieherInnenausbildung könnte der Qualität von Bildung im Kindergarten zuträglich sein.
  4. Elternarbeit im Vorschulbereich ist sehr wichtig. Allerdings sollten ErzieherInnen gestärkt werden und Eltern nur ein begrenztes Mitspracherecht eingeräumt werden. Die Rolle der Eltern in der KITA stellt sich als sehr umstrittener Bereich heraus.

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Panel 20: Medien und ihre MacherInnen

Leitfragen:

  1. Erreicht man Kinder- und Jugendlichen nur noch mit Castingshows, Trash-TV und Sensationsgier oder auch mit „Qualitätsjournalismus“? Wo liegen die moralischen und qualitativen Grenzen der Medienverantwortlichen?
  2. Was wird nach Formaten wie Gerichtsshows, Talentshows und Scripted Reality der neue Trend? Welche Zukunftsformate sollen Jugendliche, aber auch die Generation 60+ an die Sender binden?
  3. Welchen gesellschaftlichen Mehrwert nehmen die Sender für sich in Anspruch und was tun sie, dass ihre Angebote beim Publikum (v.a. von Kindern und Jugendlichen) richtig – im Sinne einer kritischen Medienkompetenz – verarbeitet und eingeordnet werden können? Wie nehmen Medienmacher/-innen ihre Verantwortung gegenüber den Rezipienten/-innen wahr?

Paneldokumentation:
Diskutierende: Peter Dreckmann (MDR), Sabine Frank (Google Germany GmbH), Mike Bröhl (89.0 RTL und Radio Brocken), Michael Groh (ProSieben Sat. 1 TV Deutschland & FSF), Walter Demski (MSA)
Moderation: Uwe Gajowski (Deutscher Journalistenverband Sachsen-Anhalt)

Mike Bröhl, Vertreter von 89.0 RTL und Radio Brocken, eröffnete die Diskussion über das Verhältnis von Einschaltquoten und Verantwortung bei den Sendern mit der These, dass Privatradios als Wirtschaftsunternehmen natürlich dafür sorgen müssen, entsprechende Umsätze zu generieren. Grundlage für dieses Ziel ist natürlich eine möglichst breite Akzeptanz beim Hörer. Insofern ist eine konsequente Ausrichtung an den Hörerbedürfnissen und  –wünschen Grundlage eine wichtige für die redaktionelle Arbeit. Michael Groh, von ProSieben Sat. 1 TV Deutschland,  ergänzte, dass letzen Endes der Zuschauer entscheide, ob das Programm die Qualität habe, die er sehen möchte. Der Geschmack der Zuschauer sei dabei individuell unterschiedlich und nicht pauschal zu bestimmen. Akzeptanz – im Sinne von hohen Einschaltquoten – sei ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Maß für die Erfolgsmessung eines Senders. Peter Dreckmann vom MDR betonte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk (durch die Finanzierung über die Rundfunkbeiträge) grundsätzlich nicht auf die Quote achten müsse, es aber dennoch tue. Schließlich möchte jeder Sender möglichst viele Zuschauer mit seinem Programm erreichen. Walter Demski, Medienanstalt Sachsen-Anhalt, bemängelte, dass Qualität in journalistischen Erzeugnissen heutzutage nicht automatisch gewährleistet sei. Als Vertreter der Medienaufsicht wies er darauf hin, dass Senderverantwortliche sich an geltendes Medienrecht und geltende Programmgrundsätze zu halten haben. Journalisten müssen entsprechend professionell ausgebildet werden, um die an sie gestellten Herausforderungen bewältigen zu können. Er räumte aber auch ein, dass Vieles, was den Zuschauern nicht gefalle, nicht zwingend gegen geltendes Recht verstoße.

Mit Blick auf Kinder und Jugendlliche, sagte Dreckmann, dass sich der MDR hauptsächlich an ein älteres Publikum richte. Mit dem KIKA hätte man aber auch ein Angebot für die Jüngsten entwickelt. Momentan werde zudem über die Gründung eines Jugendkanals beim MDR nachgedacht. Michael Groh, ProSieben Sat. 1 TV Deutschland, nannte Sendungen von Stefan Raab oder „Galileo“, die von Kindern gern gesehen würden. Groh kritisierte dabei die rechtliche Regelung, durch die sich ein Kinderprogramm im Privatfernsehen nicht gegenfinanzieren ließe. (LautJMStVdürfen Kindersendungen im Fernsehen und im Hörfunk nicht durch Werbung unterbrochen werden. Zudem ist in Kindersendungen das Zeigen von Sponsorenlogos untersagt.) Dies führte Groh als Fehler im System an. Sabine Frank, Google Germany GmbH, erläuterte mit Blick auf das Onlineverhalten von Kindern, dass diese beim Surfen noch stark von den Eltern gelenkt würden. YouTube aktiv mitgestalten könnten Heranwachsende erst ab 13 Jahren. Generell würden die älteren Generationen die YouTube-Stars ihres Nachwuchses nicht kennen und wenig über das Onlineverhalten ihrer Kinder wissen.

Zum Thema Innovation erklärte Mike Bröhl, dass Radio im Gegensatz zum Fernsehen sehr bedarfsorientiert produziert sei. Eine der Aufgaben des Radios heutzutage sei es, den Zuhörer auch ins Netz zu locken. Das Internet kann zum laufenden Programm ergänzende Funktionen einnehmen. Inhalte auf verschiedenen Kanälen abzurufen, sei momentan ein unaufhaltsamer Trend. Dies bestätigte auch Michael Groh. Kritik zum Kinder- und Jugendmedienschutz bei gestreamten Inhalten wies Groh zurück, da es auf den Webseiten nicht die Möglichkeit gäbe, verpasste Sendungen downzuloaden. Außerdem werden die Webseiten der privaten Sender gelabelt. Kindern bzw. Jugendlichen, die jünger als die angegebene Altersstufe sind, wird die Webseite nicht angezeigt. Voraussetzung sei allerdings, dass Eltern ein entsprechendes Jugendschutzprogramm installiert und eingestellt haben.

Auf eine Zuschauerfrage zu „Germanys Next Topmodel“ gab Michael Groh an, dass der Sender sich immer wieder frage, was Rollenbilder wie die, die bspw. bei GNTM präsentiert werden, bei Heranwachsenden bewirken können. Man sei sich der Verantwortung durchaus bewusst. Peter Dreckmann fügte an, dass vor allem Castingshows auf großes Interesse bei Kindern und Jugendlichen stoßen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich klar werden, wie er mit diesem Phänomen umgeht. Sabine Frank warf ein, dass Second Screens (die Nutzung eines zweiten Bildschirms – Smartphones oder Tablets – parallel zum laufenden Fernsehprogramm) zum Beispiel bei Talkformaten eine zunehmende Bedeutung erlangen. Jugendliche diskutieren bspw. auf YouTube traditionelle Medienformate und werden laut Frank in ihrem Reflektionsvermögen und ihren Qualitätsansprüchen unterschätzt.

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Videostatement

 

  • Achim Lauber

    Erfurter Netcode e.V.

    Panel 14: Medienaneignung von Kindern: Medienkompetent von Anfang an?

  • Albrecht Steinhäuser

    Oberkirchenrat, Vorsitzender Versammlung Medienanstalt Sachsen-Anhal

    Panel 4: Politik, Kirche, Wohlfahrtsverbände: Wegbereiter für eine nachhaltige Medienbildung in die Breite?

  • Andrea Wegner

    Deutscher Kinderschutzbund – Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.

    Panel 5: Herausforderungen für die Familie 2.0: Datenschutz, Verbraucherschutz und Jugendmedienschutz

  • Andreas Hedrich

    Mediennetz Hamburg e.V.

    Panel 7: Medienpädagogische Netzwerke im Gespräch: Erfahrungen, Partnerschaften, Erfolgsmodelle

  • Anke Bergmann

    Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF)

    Panel 13: Erfolgsmodell Scripted Reality: Real und doch nur gespielt?